Liebe, jemand anders…

„Ich habe ihn gesehen – bei uns, mit einer kleinen Blondine“
„Und, dann hat er nun eine Neue?“

Freitag Abend, gut gelaunt stehe ich auf das Klingeln wartend in meiner Küche. Glas in der einen, Smartphon in der anderen Hand. Abwechselnd ein Wisch, ein Schluck, ein Wisch… bis ein vertrautes Bild auf meinem Display erscheint. Ich kenne jedes Details dieses Bildes, könnte es detailgetreu in meinem Kopf zeichnen, wenn ich die Augen schließe. Wie viel Zeit habe ich damit verbracht, es anzusehen, wenn ich ihn nicht ansehen konnte? Würde man es als Suchbild, richtig und falsch, nebeneinander stellen, ich würde jeden Fehler sofort finden. . Nun sehe ich nur einen: Dass es mir bei Tinder angezeigt wird. Der Halt des iPhones wird schwächer, der Griff um das Glas stärker. Zwei Klicks, wechseln von Dating zum Anruf. Meine Stimme zittert, während sich meine Kehle ruckartig mit Tränen füllt und das mühevoll aufgetragene Make Up den Bach runtergeht…

Donnerstag Nachmittag, gut gelaunt stehe ich in der Sonne und halte mein Smartphone in der Hand – wieder. Sie fing mich auf, als er meine Welt mal wieder zertrümmere. Und der Gedanke, dass er es wieder tun könnte, schmerzt sie genauso wie mir. Die Chance, dass wir uns an diesem Tag begegnen ist genauso groß, wie die Chance, dass er mir damals als Match vorgeschlagen wurde. Die Chance, dass wir eben diesen (wieder) haben – einen Match – genauso gering wie an jenem Tag. Ich weiß er ist wieder in meiner Nähe, auch ohne App die mir dies bestätigt. Es ist ein Gefühl, was mich nie ganz loswerden lässt. Es ist das letzte Gefühl, das geblieben ist. Die Reste.

Die Liebe ist gestorben. Nicht gegangen, sondern tot. Ich habe einen Menschen geliebt, den es am Ende so nicht gab mehr gibt – der starb als die Beziehung starb.

Wieso es mich nicht stört? Weil es nicht der Mann ist, den ich geliebt habe. Weil es für mich ein anderer Mensch ist, der nun mit einem anderen Menschen sein Leben teilt.
Sie wird andere Punkte in ihm sehen, an ihm lieben. Vielleicht wird er bei ihr er sein. Vielleicht war er es bei mir. Wir können uns verlieben, in eine Person die bereits geliebt wurde, und werden doch einen anderen Menschen lieben.

Mit jedem Tod geht Trauer ein- ich habe getrauert. Die Tränen werden nie ganz vergessen sein. Es schmerzt, doch auch der schmerz ist anders. Ich weine nicht mehr um ihn, sondern um die Geschichte. Den Schmerz, den Kummer und die Tränen, die sie mir zugefügt hat – nicht er, sondern unsere Geschichte. Für die wir am Ende beide nichts können, zu der wir aber beide unseren Teil beigetragen haben.

Für mich ist er nicht das, was er für sie ist. Für sie kann er nie sein, was er für mich war. Was mein war, ist nicht ihrs. Galt jede Träne am Ende doch uns, nicht ihm.

Ist die Liebe zu Ende, gibt es kein Zurück. Nur einen Neuanfang, gemeinsam oder getrennt. Wir hatten unsere Geschichte, diese ihr Ende. Ein Neubeginn wäre eine Fortsetzung, keine Weitererzählung. Man kann nicht einfach so dort weitermachen, wo man aufgehört hat. Schaden bleibt und nimmt seinen Einfluss – positiv oder negatives. Aber es wird nie so sein, wie es früher einmal war. So ist (eine) Geschichte nun einmal.

Nun liebt er eine andere – und sie einen anderen.

// Bild via Pexels

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